Evangelische Kirche Mitteldeutschlands
Evangelische Kirche Mitteldeutschlands
Idea competition, idea generator, publications, exhibitions
„500 Kirchen, 500 Ideen – Neue Nutzung für sakrale Räume“
STADTLAND:Kirche. Publikation „500 Kirchen, 500 Ideen – Neue Nutzung für sakrale Räume“
Ein Europa ohne Kirchen – kaum vorstellbar, aber nicht mehr ganz abwegig. Noch bilden Kirchengebäude im ländlichen Raum wie auch im städtebaulichen Gefüge eine feste Konstante; doch die Mitgliederzahlen der christlichen Konfessionen schrumpfen beständig. Das mitteldeutsche Thüringen steht exemplarisch für diese Entwicklung: Von seinen 2000 Kirchengebäuden stehen heute schon 500 leer. Kirchen sind jedoch nicht nur Kultorte, sondern Prototypen öffentlicher Bauten. Deshalb bedarf es in Zukunft einer gesamt gesellschaftlichen Anstrengung, um Kirchengebäude als Kulturgut und Orte der Gemeinschaft zu bewahren. Das Projekt „STADTLAND:Kirche. Querdenker für Thüringen 2017“ hat anlässlich des Reformationsjahres 500 Ideen für den Umgang mit dem Kirchenleerstand zusammengetragen und in einer Publikation zusammengefasst.
Dieser, von chezweitz redaktionell betreute und gestaltete 1. Band in dieser besonderen Reihe dokumentiert das Projekt, stellt die Vorschläge zur Neunutzung vor und präsentiert die ersten Ergebnisse der Umsetzung. Ergänzende Essays diskutieren die theologischen, politischen und architektonischen Dimensionen. Entstanden ist ein inspirierender Ideenfundus, der zur Auseinandersetzung mit unserem (bau)kulturellen Erbe anregt und dazu auffordert, für dessen Bewahrung neue Wege zu gehen.
STADTLAND:Kirche. Querdenker für Thüringen 2017’ ist ein Kooperationsprojekt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) mit der IBA Thüringen, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Die kuratorische Projektleitung des Aufrufs sowie die Gestaltung der Ausstellung erfolgt durch das Büro für Szenografie chezweitz. Weitere Förderer sind die Staatskanzlei des Freistaats Thüringen sowie die Partner-IBAs Parkstad, Heidelberg und Basel.
STADTLAND:Kirche. Querdenker für Thüringen 2017
Ausstellung in der Kaufmannskirche Erfurt
Nicht nur in Thüringen steht man vor der Frage, wie mit knapp 2000 Kirchengebäuden der Evangelischen Kirche bei schrumpfenden Mitgliederzahlen in Zukunft umgegangen werden soll. Welche Nutzungsideen sind dafür denkbar, aber welche sind auch umsetzbar? 2016 haben wir einen internationalen Ideenaufruf und eine Workshop-Serie in den Gemeinden gestartet und viele Ideen für die Thüringer Kirchen gesammelt: Von der Postkirche, einer Marktkirche oder Gartenkirche, über eine Bienenkirche bis hin zur Wellnesskirche erreichte uns ein großes Spektrum an Vorschlägen. Die eingesandten Ideenvideos werden nun in der Kaufmannskirche in Erfurt präsentiert.
chezweitz zeigt die Ideen in einer raumgreifenden Medieninstallation. 500 Ideen zu Gast in der Kaufmannskirche. In den historischen Raum wurden die vorhandenen Kirchenbänke in eine mediale Ausstellungsarchitektur transformiert. Entstanden ist nicht nur ein starker, medialer Farbraum, sondern auch ein offener ‚Raum im Raum’, der den historischen Ort mit samt seiner kostbaren Kunstschätze zu einem eigenwillig zeitgenössischen Blühen bringt.
Die vielen Video-Ideen begegnen den Besuchenden in den Bänken auf Augenhöhe; es spricht hier die virtuelle Gemeinde der Ideengeber mit der realen Gemeinde der Kirchgänger*innen. Und draußen vor der Kirche, da steht ein eigenwilliges Ding, eine bunte Maschine, ein Ideengenerator. Was soll das denn? Weitere Ideen produzieren!
Diese Ausstellung ist Zwischenstand eines größeren Prozesses, der einige ausgewählte Ideen weiter zur Realisierung bringen wird. Über diesen Sommer werden noch einige Eröffnungen und Erkundungsreisen folgen.
STADTLAND:Kirche. Publikation „Ein neuer Typus Kirche. Hybride öffentliche Räume“
Im Rahmen der Vergabe des Thüringer Staatspreises 2020/21 wurde unser Projekt „500 Kirchen, 500 Idee“ in der Kategorie „Initiativen/Institutionen/Personen“ mit einer Medaille ausgezeichnet. Da ist natürlich die Freude groß, zumal fast zeitgleich nun auch der zweite Band des Projektes StadtLand:Kirche „Ein neuer Typus Kirche. Hybride öffentliche Räume“ beim Jovis Verlag erschienen ist:
Bildeten Kirchen in früheren Zeiten das physische und geistige Zentrum des Dorf- und Stadtlebens, führen kontinuierlich schwindende Mitgliederzahlen heute dazu, dass sie immer häufiger leer stehen oder sogar schließen müssen. Wie können Kirchengebäude wieder mit Leben gefüllt werden? In Thüringen haben sich seit 2016 unter der Schirmherrschaft der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der IBA Thüringen engagierte Menschen zusammengeschlossen, die mit originellen, solidarischen und zeitgemäßen Projekten ihre Kirchen als Orte der Gemeinschaft neu positionieren.
Der zweite Band stellt diese ambitionierten Projekte vor, erzählt von ihrem Fortschritt, von Erfolgen und Schwierigkeiten. Sei es die Her(r)bergskirche am Rennsteig oder die Bienen-Garten-Kirche in Roldisleben: Die vorgestellten Projekte zeigen auf, wie lebensnahe weltliche Nutzungen das ursprüngliche Angebot der Kirche ergänzen können. Mitten im Dorf entsteht so ein neuer Typus Kirche als hybrider Ort und vielleicht neuer Kern.
Mit gestalterischer Raffinesse entfaltet sich eine Momentaufnahme der langjährigen Arbeit und Mühe in den Thüringer Modellprojekten. Die sensiblen Fotografien René Fietzeks, gepaart mit den energiegeladenen Illustrationen Andree Volkmanns geben einen beeindruckenden Einblick in die Träume und Hoffnungen der Akteure vor Ort. Untermalt wird die Dokumentation mit Texten bekannter Autoren wie Reinhard Blomert, Heinz Bude, Hansjürgen Küster, Hartmut Leppin und Geert Mak.
Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei all unseren Partner*innen und Beteiligten, besonders bei der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, der IBA Thüringen und dem Kirchbauinstitut in Marburg für die langjährige, fruchtbare Zusammenarbeit bedanken und hoffen, dass unsere Projektfamilie auch in Zukunft weiter wachsen wird.
Mit dem Preis im Rücken, der Medaille auf der Brust können wir dieses feine Werk (und seinen Vorgänger) Ihnen allen nun noch wärmer ans Herz legen; wir wünschen viel Freude beim Lesen und Entdecken und freuen uns schon auf die Arbeit am dritten Band, der voraussichtlich zum vorläufigen Abschluss des Projektes 2023 erscheinen wird.
Projekt-Website
Am Dezember 2021 ist die neue Projekt-Webseite online gegangen – von chezweitz gestaltet und ein buntes Forum rund um das Thema Quernutzung von Kirchen. Die Webseite wird zum neuen, digitalen Ort, der alle Akteure und eine größere Öffentlichkeit verbindet.
Mehr unter www.kirchen-aufgeschlossen.de
STADTLAND. “Hybride Öffentliche Räume” – eine Wanderausstellung
am 11. Mai 2023 eröffnete im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland die von chezweitz gestaltete Wanderausstellung „StadtLand:Kirche. Hybride öffentliche Räume“.
Der Hintergrund: 3910 Kirchen und Kapellen gibt es allein in Mitteldeutschland – das sind etwa 20% aller evangelischen Kirchen in Deutschland! Zugleich sinkt die Zahl ihrer Nutzerinnen und Nutzer rapide. Die Kirche steckt in einer tiefen Krise: Wo aber die Hoffnung vermeintlich am geringsten ist, wächst das Rettende auch. So wagen in Thüringen viele engagierte Personen unter dem Dach des Projektes „StadtLand:Kirche“ den Aufbruch in die Zukunft. Sie wecken all ihre wunderbaren kleinen, alten Kirchen aus dem Dornröschenschlaf, viele neue Ideen, Konzepte und Projekte sind so seit 2016 entstanden. Wir freuen uns sehr, dieses einzigartige Initiative schon seit Beginn begleiten zu dürfen.
Seit mittlerweile sieben Jahren sind wir mit den Projekträgerinnen – der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der IBA Thüringen – viele Meilensteine gegangen. Oft sind wir dabei über unsere eigentliche Profession, der Szenografie, hinausgewachsen, haben die Akteurinnen und Akteure vor Ort besucht, haben zugehört und Ideen entwickelt, damit ihre Kirchen wieder zum lebendigen Mittelpunkt der Gemeinschaft werden können. All das steckt in vielen, nie gezählten Stunden unserer gemeinsamen Arbeit mit der Projektgruppe, die dieses Jahr mit einer großen Abschlussausstellung im Eiermannbau in Apolda endet.
Die neue Wanderausstellung rückt die Modellprojekte und ihren Fortschritt erneut in den Mittelpunkt . Dafür haben wir ein eigenes, innovatives Format entwickelt, inspiriert von der Papierfaltkunst: nachhaltig und flexibel können die einzelnen Ausstellungsinseln variabel im Raum platziert und den jeweiligen Orten angepasst werden – vom Landeskirchenamt bis zur kleinen Dorfkirche kann unsere Ausstellung alle Interessierten erreichen. Gerahmt werden die einzelnen Ausstellungspunkte wieder von handgezeichneten Illustrationen des Berliner Künstlers Andree Volkmann. Die flexible Konstruktion wird von einem leuchtend gelben Schnüren-System zusammengehalten, was nicht nur ein Symbol für die vielfältigen Netzwerke der Akteurinnen und Akteure ist, sondern gerade jetzt auch die blühenden Rapsfelder der Thüringer Kulturlandschaft lebendig werden lassen.
Die Modellprojekte zeigen, dass ein neuer Typus Kirche geschaffen werden kann, in der sowohl Gottesdienste als auch Übernachtungen möglich sind, in der getauft und getanzt wird. Sie spiegeln die Vision einer dörflichen bzw. kleinstädtischen Gemeinschaft wider, für die eine geöffnete und kollektiv genutzte Kirche erneut zu einer Schnittstelle des Zusammenlebens wird.