Aufarbeiten!
Aufarbeiten!
Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Zeichen von Emanzipation
Das Ausstellungsprojekt “Aufarbeiten: Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Zeichen von Emanzipation” ist für uns nicht nur von großer Wichtigkeit ist, sondern behandelt auch ein äußerst sensibles Thema. Seit mehreren Jahren treibt das Schwule Museum Berlin (SMU) die Aufarbeitung der historischen Allianzen queerer Bewegungen mit pädosexuellen Gruppen entschieden voran. Im Archiv des SMU findet sich eine Vielzahl Belege für diese Bündnisse ebenso wie visuelle und diskursive Dokumente und auch künstlerische Werke, die sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche legitimierten oder ästhetisierten. Dieses schwierige Thema erfordert zweifellos eine ehrliche, kluge und einfühlsame Herangehensweise.
In Kooperation mit dem Archiv der deutschen Jugendbewegung (AdJb) stellt sich das SMU der Aufgabe, diese in einer Ausstellung zu thematisieren: “Aufarbeiten: Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Zeichen von Emanzipation”, von uns gestaltet und entworfen, markiert einen wichtigen Meilenstein im Prozess der Auseinandersetzung mit den problematischen Seiten der eigenen Geschichte. Die KuratorInnen fragen, wie es dazu kommen konnte, dass sexualisierte Gewalt in ihren Kontexten toleriert wurde und suchen nach Wegen, wie sie in Zukunft wirksam verhindert werden kann.
Der aktive Umgang mit dem Thema Missbrauch und Pädosexualität zeigt sich bereits im Titel der Ausstellung: “Aufarbeiten!” Hier stellen sich beide Institutionen ihrer Verantwortung mit den Mitteln des Museums und der Archive, dem Erforschen, Kooperieren und Ausstellen. Dabei stoßen sie auf die Schwierigkeit, dass legitimierende Dokumente wie z.B. künstlerische Darstellungen sexualisierter Körper von Kindern und Jugendlichen, die in der Kulturgeschichte so verbreitet sind und zur Normalisierung von Übergriffen beigetragen haben, gerade nicht gezeigt werden sollen. Dies ist der Moment, in dem unser Gestaltungsbüro ins Spiel kommt.
Wie bereits bei zahlreichen Ausstellungsprojekten zuvor hat chezweitz die Herausforderung der szenografischen Umsetzung mit großer Sensibilität angenommen. Die Art der Präsentation in dem Bild des Archivs und die Kunst des „Nicht Zeigens“ öffnen das Thema für den offenen Diskurs. Wir nutzen das Archiv als Gestaltungsmetapher, wobei einerseits auf die Bestände der beiden beteiligten Archive angespielt wird, die Anlass für die Ausstellung geben und andererseits auf die grundsätzliche Unabgeschlossenheit solcher Aufarbeitungsprozesse. Das „Öffnen der Kisten“ und das kritische Auseinandersetzen mit den Veränderungen innerhalb der Bewegungsgeschichte werden hier nun beispielgebend. Der häufig anzutreffende Umgang von Institutionen, ihre eigene Verstrickung in sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zu verharmlosen oder zu vertuschen, die Boxen also geschlossen zu halten, werden in dieser Ausstellung inhaltlich und szenografisch aufgebrochen.
chezweitz GmbH, museale und urbane Szenografie, Berlin
Dr. Sonja Beeck, Detlef Daiber-Weitz
Ludger Jansen, Mo-Ran Kilian, Kira Soltani-Schirazi, Antonia Gaida, Isabelle Vogel
Dr. Birgit Bosold (SMU), Dr. Susanne Rappe-Weber (Archiv der deutschen Jugendbewegung), Dr. Tino Heim & Dr. Volker Woltersdorf
Collin Klugbauer, Jörg Krüger mit Team
Villa Schmück Dich GmbH, Berlin
Schwules Museum 2023, Yu Mitomi
chezweitz/Lars Weitemeier