chezweitz museale und urbane Szenografie

Hannah Arendt
und das 20. Jahrhundert

Hannah Arendt
und das 20. Jahrhundert

Deutsches Historisches Museum, Berlin
27.03. – 18.10.2020

Im Rah­men des mehrjähri­gen Pro­gramms zur his­torischen Urteil­skraft“ zeigte das Deutsche His­torische Muse­um eine umfan­gre­iche zei­this­torische Son­der­ausstel­lung zum Leben und Werk der poli­tis­chen Denkerin“ und Schrift­stel­lerin Han­nah Arendt. Sie war eine emanzip­ierte Jüdin, eine vom NS-Staat zur Flucht Gezwun­gene. Sie war Pro­fes­sorin, Autorin, Kri­tik­erin und Jour­nal­istin. Aber vor allem war sie eine glühende Ver­fech­terin von Frei­heit und Rechtsstaatlichkeit. Ihr biografis­ch­er Facetten­re­ich­tum, ihr Denken ohne Gelän­der“ und ihre vielfälti­gen Fre­und­schaften im Geiste und der Kor­re­spon­denz machen die Auseinan­der­set­zung mit ihr so reich und so spannend. 

Wegen des großen Pub­likum­ser­folges wan­derte die Ausstel­lung nach Bonn in die Bun­deskun­sthalle und dann ins Lit­er­aturhaus nach München. Sie schafft einen Zugang zu ihren Schriften und vor allem zu ihrer Reflex­ion der The­men NS, Anti­semitismus, Zion­is­mus, Total­i­taris­mus, Ras­sis­mus, Fem­i­nis­mus, Öffentlichkeit und anderen. Sie zeich­net auch anhand von Briefen, per­sön­lichen Gegen­stän­den und vor allem mit dem Por­trait ihres Fre­un­deskreis­es ein sehr per­sön­lich­es Bild. 

Szenografisch war die Her­aus­forderung, Verbindun­gen zu bauen zwis­chen der Per­son und ihrem Denken, dem gesproch­enen Wort und den Objek­ten, den unter­schiedlichen Medi­en Ton, Video und Objek­t­präsen­ta­tion und dabei den beson­deren Sinn für die Para­dox­ie und die Kon­tro­verse auf­scheinen zu lassen. So titelt das Plakat der Ausstel­lung präg­nant: Kein Men­sch hat das Recht zu gehorchen.“

Deutsches Historisches Museum Berlin
27.03–18.10.2020

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Wie schafft man es, die Fülle an Infor­ma­tio­nen so zu ord­nen und zu gestal­ten, dass die Besuchen­den Lust und Anre­gung ver­spüren, diese Lebens- und Denkvielfalt zu erkun­den? Wie gestal­tet man eine Atmo­sphäre, die es ver­mag, Arendts Leben und Per­sön­lichkeit in ihrer Zeit in Raum zu über­führen? Zwei Film­räume und zahlre­iche immer wieder eingestreute Audion­is­chen helfen den Besuchen­den, sich den Gedanken Han­nah Arendts immer wieder sinnlich zu näh­ern. Das leg­endäre Inter­view mit Gün­ther Gaus 1964 sowie zahlre­iche Ton­doku­mente sind dafür hil­fre­ich. Orig­i­nal­fo­tos ihres Fre­un­deskreis­es, per­sön­liche Gegen­stände wie das Zigaret­tene­tui oder die Akten­tasche, die Hals­kette, ihre präg­nante Brosche, Klei­dung, Mobil­iar und jüdis­che Arte­fak­te fügen ein Bild.

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Für das DHM baut chezweitz auf zwei Eta­gen eine Raum­struk­tur, die einen Rundgang ent­lang der pointiert her­aus­gear­beit­eten The­men organ­isiert. Es entste­ht ein gebautes, bege­hbares, drei­di­men­sion­ales Net­zw­erk, das span­nungsvolle Räume, vielfältige Bezüge und Durch­blicke eröffnet. Der sub­tile Ein­satz von Grafik und Medi­en ermöglicht eine Ausstel­lungs­gestal­tung, die der Ern­sthaftigkeit der The­men Raum gibt und gle­ichzeit­ig einen sehr per­sön­lichen Blick auf die Per­son Han­nah Arendts zulässt. 

Die Gestal­tung der Ausstel­lung berück­sichtigt die Eben­erdigkeit und Unter­fahrbarkeit von Exponat­en und Ein­rich­tun­gen, um Besuchen­den im Roll­stuhl uneingeschränk­ten Zugang zu gewährleis­ten. Zahlre­iche Hör­nischen ermöglichen es, nahezu alle Bere­iche der Ausstel­lung audi­tiv zu erleben, Ein­hand­kopfhör­er an vie­len Punk­ten wer­den durch Hands-Ons mit Tran­skrip­tio­nen der Audiobeiträge ergänzt. Die Videoin­stal­la­tio­nen mit Film­beiträ­gen zu Han­nah Arendt sind deutsch und englisch untertitelt.

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Zen­trales Exponat und erste Per­spek­tive in der Ausstel­lung wird das Mod­ell des Kre­ma­to­ri­ums II im Ver­nich­tungslager Auschwitz-Birke­nau des pol­nis­chen Kün­stlers Mieczysław Sto­bier­s­ki sein, das transloziert und rein­sze­niert daran anknüpft, was Han­nah Arendt unabläs­sig bewegte: Die Ver­brechen gegen die Menschlichkeit.

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Bundeskunsthalle Bonn

Frühjahr 2021

Die szenografis­che Raum­struk­tur als Netz hat sich für die zweite Ausstel­lungssta­tion, der Bun­deskun­sthalle in Bonn, aufgelöst, da sich der Ausstel­lungsraum hier ringför­mig gestal­tet. Den­noch gelingt es der Szenografie, wichtige Bezüge mit­tels Öff­nun­gen und Durch­blicke zu erhal­ten. Das ursprüngliche Zen­trum, das Mod­ell des Kre­ma­to­ri­ums in Auschwitz, kon­nte nicht nach Bonn ver­bracht werden. 

So hat chezweitz zusam­men mit Ste­fan Hur­tig eine kom­plexe Videoin­stal­la­tion hergestellt, die auf inter­es­sante Art und Weise die wesentlichen Inhalte und Emo­tio­nen nach Bonn trans­portiert. Das riesige und all­seit­ige Mod­ell wird von uns mit­tels eines langsamen Kam­eraschwenks aus unter­schiedlichen Posi­tio­nen und Abstän­den erfasst und in Form ein­er dre­it­eili­gen Videoin­stal­la­tion als Zäsur im Raum installiert.

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Literaturhaus München

15.10.2021–24.04.2022

Die beson­dere Her­aus­forderung an der Ausstel­lungssi­t­u­a­tion im Lit­er­aturhaus München, der drit­ten Sta­tion, war, die umfan­gre­iche Ausstel­lung und kom­plexe Architek­tur in einen deut­lich kleineren Raum als bei den vorheri­gen Sta­tio­nen zu trans­ferieren. Durch einen ein­heitlichen Hor­i­zont und das Umschließen der Säulen im Ausstel­lungsraum des Lit­er­aturhaus München entste­ht eine eigen­ständi­ge, fokussierte Szenografie, die über zahlre­iche Blick­verbindun­gen und Verknüp­fun­gen das Leben und die Denkweise von Han­nah Arendt in eine Architek­tur über­set­zt. Als zen­trales, von über­all sicht­bares Ele­ment durch­schnei­det in München eine Schneise radikal die Ausstel­lungsar­chitek­tur und markiert die Zäsur, die Auschwitz für die Arbeit von Han­nah Arendt bedeutet.

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Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert
Deutsches Historisches Museum (DHM), Berlin
Szenografie
chezweitz GmbH, museale und urbane Szenografie, Berlin
Dr. Sonja Beeck, Detlef Weitz,
Hans Hagemeister, Ines Linder
Ausstellungsgrafik
chezweitz GmbH, Anja Rausch, Johannes Bögle, Lea Donner, Marie-Luise Hagitte
Präsident des DHM
Prof. Dr. Raphael Gross
Projektleitung DHM
Dorlis Blume
Kuratorin
Monika Boll
Projektassistentin
Ulrike Kuschel
Mediengestaltung
Mirko Kubein
Fotos