P26
P26 – Poststraße 26
Ein Projekt der Excellenzuniversität Bonn
Aus Anlass der Schließung des Hauptgebäudes ergreift die Exzellenzuniversität Bonn die Chance, ihre Sammlungen und die damit verknüpfte Lehre in einigen Bereichen neu zu formatieren. Das Paul-Clemen-Museum (Kunstgeschichte/Prof. Wolter von dem Knesebeck) mit Europas größter Sammlung von Gipsabgüssen, das Ägyptische Museum (Prof. Morenz) und auch das Global Heritage Lab (Prof. Binter) mit dem Schwerpunkt auf außereuropäischer Kultur finden in der Bonner Innenstadt ihr neues, auf ca. 10 Jahre angelegtes Interimsquartier. In den Etagen werden Lehre, Forschung, Ausstellungspraxis und öffentliches Leben miteinander verknüpft. Im EG entsteht ein lebendiger Raum für Veranstaltungen, Ausstellungen, ein Café und ein Infopunkt, an dem sich die Besuchenden und Passanten über die Universität informieren und Produkte kaufen können.
chezweitz hat die Universität konzeptionell bei der Entwicklung und Transformation des ehemaligen Damenmodenkaufhauses beraten und die szenografischen Einbauten gestaltet.
Mit der Poststraße 26 spricht die Universität Bonn eine Einladung an die Öffentlichkeit aus, ihr näher zu kommen und sich in den Themen der Ausstellungen auf den Etagen zu vertiefen.
Eine stark atmosphärische, aber sehr differenzierte Farbgestaltung und grafische Bearbeitung leitet die Besuchenden durch die Etagen. Jede Etage ist eine eigne Welt, ein eigener Forschungs- und Lernkosmos. Im 1. OG erzeugen warme, erdige Farben das Gefühl hoher Energie bei gleichzeitiger Erdung. Es geht um ethnografische Diskurse, um ein flexibles Setting für die Auseinandersetzung im globalen Diskurs, wie mit Blick auf das postkoloniale Erbe und überkommene Ausstellungspraxen in Zukunft verfahren werden kann.
Das neue Haus der Universität Bonn wird insbesondere im Erdgeschoss als hybride Nutzung zwischen Café, Veranstaltung und Ausstellung, aber auch in den Obergeschossen als Nutzungsmix aus Lehre und Ausstellungsbetrieb gelebt werden. Alle Etagen eint, dass die „Forschung und Arbeit am Objekt“ im Zentrum der Beschäftigung steht. Die Artefakte werden erforscht, befragt und kuratorische Ausstellungspraxis erlernt. Hierfür hat chezweitz maßgeschneidert die Instrumentarien in Form von flexibel einsetzbaren Möbeln/Ausstellungsmodulen und einer immer wieder anders zu bestückenden „Flexwand“ entwickelt. Verbindende Geste im Haus ist der imposante Depotturm im Treppenauge des großzügigen Treppenhauses. Alle Institute haben Exponate für diese spektakuläre Ausstellungsstruktur beigesteuert.
Im 2. OG versammelt das Paul-Clemen-Museum Kunstwerke vom Mittelalter bis heute und von Mitteldeutschland bis Sizilien auf einer flachen „Bühne“. In einer Raumfassung in Sand und Yves-Klein-Blau, kontrastiert mit glänzendem Aluminium, wirken die schweren Gipsabgüssen lebendig und frisch. Sie stehen zur Anschauung bereit – für die Lehre und für die privaten Kunstinteressierten.
Im 3. OG eröffnet das Ägyptische Museum auf der nun deutlich verkleinerten Fläche einen atmosphärisch aufgeladenen, aber intensiven Raum besondere Magie. Ganz in Grüntönen des Nils gehalten, mit einer großen Zahl von wertvollen Artefakten begegnet man hier der Arbeit der Archäologen der Universität Bonn.
Für die Innenstadt in Bonn, die wie viele andere in Deutschland mit einem Strukturwandel zu kämpfen hat, ist die Poststraße eine Bereicherung im Sinne der Belebung. Zu hart ist der Einschnitt durch den Internethandel, sodass neben dem Handel auch wieder andere Programme in der Innenstadt gebraucht werden. Die Universität und die Stadt Bonn verknüpfen die Notwendigkeit, Interimsquartiere zu beziehen, auf das Eleganteste mit den frei gewordenen Raumressourcen in der Innenstadt. Für chezweitz als bekanntes Szenografiebüro war es eine besondere Herausforderung, die strategische Dimension (Uni) mit der städtebaulichen und architektonischen Dimension (Innenstadt/Kaufhaus) und der szenografischen Arbeit mit den Sammlungen und Lehrinhalten zu verknüpfen. Wir bedanken uns für das Vertrauen der Universität Bonn und hoffen, dass der Mut zur Hybridität in der Poststraße sich dadurch auszahlt, dass die Studierenden ein anregendes Lernumfeld schätzen und die Besuchenden die interessanten Themen wahrnehmen.
Objektgeschichten — Auf Spurensuche in den Museen und Sammlungen der Universität Bonn
23. Oktober 2024 bis 31. März 2025
Die Eröffnungsausstellung im Erdgeschoss gibt Einblicke in die Provenienzforschung, die an der Universität Bonn für ihre eigenen Sammlungen engagiert durchgeführt wird. In der Sonderausstellung begeben sich Forschende auf Spurensuche, um die Herkunft und Erwerbsgeschichte von Objekten aus den Museen und Sammlungen der Universität Bonn zu rekonstruieren – sie erforschen ihre Provenienz. Das sind gleichermaßen oft skurrile wie auch ernste Geschichten, die zum Teil in Unrechtskontexte führen. Die Ausstellung thematisiert auch den sensiblen Umgang mit Objekten aus kolonialen oder anderweitig problematischen Kontexten. Es eröffnen sich Fragen, was denn auf welche Weise heute gezeigt werden kann und soll, wer die Objekte wann und auf welchem Weg gesammelt oder erworben hat und wie sie schließlich an die Universität Bonn gelangten.
chezweitz GmbH, museale und urbane Szenografie, Berlin
Dr. Sonja Beeck, Detlef Weitz
Barbara Weinberger, Mo-Ran Kilian, Kira Soltani Schirazi, Sara Omassi, Nora Kersting
Claudia Besuch, Ludger Jansen, Leonie van Kempen
Ludger Jansen
Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch
Monika Clemens, Sabine Ludolph
Prof. Dr. Ludwig Morenz
Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck
Jun.-Prof. Dr. Julia Binter
Alma Hannig
Dr. Andrea Grugel
Julia Burbach (Architektin Sanierung Poststraße 26)
Hr. Walden – AG Licht/Lichtplanung
Schnelle Bunte Bilder GbR (Medienplanung)
H2 Technik GmbH (Medientechnik)
Schreinerei Langner (Innenausbau)
Metallbau Moll (Stahlbau Depotturm)
Druckerei Thamm, Bonn
chezweitz
Volker Lannert