chezweitz museale und urbane Szenografie

Roads not Taken

Roads not Taken

Oder: Es hätte auch anders kommen können

Deutsches Historisches Museum Berlin
09.12.2022 – 11.01.2026

Das abstrak­te Gedanken­spiel, das dem kura­torischen Konzept von Roads not Tak­en“ zugrunde liegt, haben wir wirkungsvoll in eine intu­itiv erleb­bare Ausstel­lungsar­chitek­tur übersetzt.

Ein­er­seits ermöglicht das For­mat der Ausstel­lung – ut pic­to­ra poe­sis –eine räum­liche Gle­ichzeit­igkeit von Wirk­lichkeit und Möglichkeit, die im geschriebe­nen Wort nicht möglich ist. Ander­er­seits sollte dabei der Unter­schied zwis­chen dem Wirk­lichen und dem Möglichen aber klar les­bar sein. In diesem Sinne fassen wir den Ansatz des Kura­tors Dan Din­er „…mit­tels der Per­spek­tive tat­säch­lich bestanden­er Möglichkeit­en das wirk­lich Einge­tretene umso schär­fer her­auszustellen“ konkret auf: Mit dem architek­tonis­chen Werkzeug der per­spek­tivis­chen Darstel­lung erzeu­gen sie drei­di­men­sion­ale Möglichkeit­sräume“, deren Bilder sich je nach Stand­punkt verz­er­ren oder auflösen kön­nen. Aus dem Gedanken­spiel wird ein zugle­ich optis­ches Spiel.

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Der 1000m2 große Ausstel­lungsraum des Pei-Baus mit seinen unregelmäßig platzierten Säulen und Winkeln wurde von chezweitz in eine über­raschende Raum-Kaskade trans­formiert: Die Besuchen­den durch­schre­it­en eine ringför­mig ange­ord­nete Enfilade aus Räu­men, ent­lang der­er sich nach und nach die kura­torisch 14 aus­gewählten Kip­punk­te der Geschichte“ chro­nol­o­gisch rück­wärts von 1989 bis 1848 auf­fäch­ern. Aus dem lin­earen Raumkon­tin­u­um der Geschichte her­aus eröff­nen sich radi­al die Möglichkeit­sräume, drei­di­men­sion­al, far­big und illu­sion­is­tisch. Während sich diese mit der Bewe­gung der Betra­ch­t­en­den zunehmend verz­er­ren oder ver­flüchti­gen, bleiben die his­torischen Fak­ten – sach­lich in schwarz-weiß gehal­ten im klar gegliederten Raumkon­tin­u­um – kon­se­quent les­bar. Im Dia­log zwis­chen Wirk­lichkeits- und Möglichkeit­sräu­men entste­hen höchst unter­schiedliche Kom­po­si­tio­nen. Möbel, Podeste, Medi­en­grafiken und Exponate treten aus den per­spek­tivis­chen Wand­bildern her­aus und leg­en deren Kon­struk­tion mit der Bewe­gung der Betrachter*in ein­drück­lich offen. 

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Um die Atmo­sphäre der unter­schiedlichen Zeiträume erleb­bar zu machen, ver­wen­den chezweitz Tech­niken und Medi­en der jew­eili­gen Epoche. So wird der Mauer­fall (1989) zum zwei­deutig les­baren Rif­fel­bild, das zugle­ich an die Ästhetik der Drehvi­sion-Wer­betafeln der 1980er Jahre erin­nert. Im Regierungs­bunker (1961) wird mit Hil­fe der Zen­tralper­spek­tive und ein­er kulis­se­nar­ti­gen Schich­tung die schi­er end­lose räum­liche Tiefe das weitläu­fi­gen Tun­nel­sys­tems des Bunkers sug­geriert. Mat­te Grün- und leuch­t­ende Orangetöne erschaf­fen hier ein flim­mern­des 1960er-Ambi­ente. Als Fokus­punkt im ersten Teil des Rundgangs wird den Besuchen­den das per­ma­nente Gefühl der Bedro­hung im Nachkriegs­deutsch­land ver­mit­telt: Ein­drück­lich schwebt das Motiv der Atom­bombe im Raum – eine Instal­la­tion aus mehreren tausend Schnüren, fotografisch bedruckt und in Schicht­en und Län­gen gestaffelt, die ein imma­terielles aber zugle­ich wuchtiges Bild erzeugt.

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Wand­malereien mit Trompe l’œuil- Effekt bilden den zweit­en Fokus­punkt des Rundgangs (1848) – einem gemal­ten Zug-Interieur mit medi­aler Überblendung. Mit einem Straßen­zug im Look ein­er Graph­ic Nov­el schließt der Rundgang ab und knüpft wieder an seinen Anfang an: Die Besuchen­den kön­nen sich hier nieder­lassen und sich im (Seri­ous) Game Herb­st 89 – Auf den Straßen von Leipzig“ inter­ak­tiv in die Geschehnisse des Herb­st 1989 einbringen.

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Szenografie
chezweitz GmbH, museale und urbane Szenografie, Berlin
Dr. Sonja Beeck, Detlef Weitz,
Ines Linder, Fin Morten Ohlsen, Hans Hagemeister, Alexander Butz
Ausstellungsgrafik
chezweitz GmbH, Leila Tabassomi, Luiz Dominguez, Antonia Gaida, Anja Rausch, Jaroslav Toussaint, Carlotta Markötter, Siyu Mao, Darius Samek
Möglichkeitsbilder
Jaroslav Toussaint, Detlef Weitz, Ines Linder
Präsident des Deutschen Historischen Museums (DHM)
Prof. Dr. Raphael Gross
Abteilungsdirektorin Ausstellungen
Ulrike Kretzschmar
Idee, Konzeption
Dan Diner
Projektleitung DHM
Fritz Backhaus
Kurator:innen
Julia Franke, Stefan Paul-Jacobs, Lili Reyels
Projektassistenz
Dijon Menchén
Wissenschaftlicher Berater
Werner Konitzer
Spiel: Herbst 89 – Auf den Straßen von Leipzig
Projektleitung: Fritz Backhaus, Elisabeth Breitkopf-Bruckschen
Projektassistenz: Ulrike Kuschel
Spielentwicklung in Kooperation mit Playing History, Berlin: Anne Sauer, Michael Geithner, Martin Thiele-Schwez
Illustration: Alexander Roncaldier
Filmische Exponate: Ideenreise 1849, Trailer
Stefan Hurtig, Detlef Weitz mit Franziska Junge, Jaroslav Toussaint
Audiocollage 1933
Carsten Golbeck
Team der Sprecher:innen: Jeff Burrell, Timur Isik, Astrid Kohrs, Marty Sander, Thomas Schendel, Darren Smith
Mediengestaltung/-technik
Sebastian Rau
Medieninstallation
Eidotech GmbH, Berlin
Grafikproduktion
DIGIDAX, Oschatz visuelle Medien GmbH & Co KG, Lentiprint/Spectrum, CreaDecor GmbH
Ausstellungsaufbau/Werkstätten
Nicholas Kaloplastos (Leitung DHM) mit Jens Albert, Stefan Thimm und Team
Malerarbeiten
Malermeister Antosch, Berlin
Kulissen Wandbilder Walhalla (Bild 13) und Zugwagon (Bild 14)
Atelier Witzmann: Burkhard Witzmann, Julia Zukowski, Titus Jany
Tischlerarbeiten
Max Leppinius GmbH, Berlin
Objektmontage
Abrell & van den Berg – Ausstellungsservice GbR, Berlin
Fotos
Alexander Butz (chezweitz)
David von Becker