Wandelhaus Aschersleben
Wandelhaus Aschersleben
Ein Projekt zur Internationalen Bauausstellung (IBA) Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010
Der Rückgang der Einwohnerzahl einer Stadt führt häufig dazu, dass immer mehr Häuser leer stehen. Diese Gebäude werden nicht mehr genutzt, verfallen mit der Zeit und eine Sanierung lohnt sich oft nicht mehr. Nach einigen Jahren werden sie schließlich abgerissen. Auf diese Weise entstehen nach und nach Lücken im zuvor dichten Stadtgefüge.
Im Rahmen der IBA Stadtumbau 2010 hat sich die traditionsreiche Stadt Aschersleben diesem Problem auf innovative Weise gestellt. Ziel war es, einen Prozess zu gestalten, der in vielen schrumpfenden Städten kaum möglich erscheint: eine gezielte Schrumpfung von außen nach innen. Aschersleben verfolgt dabei die Strategie, den Rückbau vor allem an den Stadträndern vorzunehmen, während das städtebaulich wertvolle historische Zentrum gestärkt und aufgewertet wird. In diesem Zusammenhang wurde eine zentral gelegene, bedeutende Durchgangsstraße, die sich halbkreisförmig um die Altstadt legt, von einem verkehrsgeprägten Problemraum zu einem „stabilisierenden Ring“ umgestaltet. An mehreren Stellen wurden Gebäude abgerissen und die entstandenen Freiflächen für künstlerische Nutzungen aktiviert. So entstand im Straßenabschnitt „Hinter dem Zoll“ das Experiment der weltweit ersten „Drive Thru Gallery“.
Neben den „Hybrid Walls“ (Projekt Drive Thru Gallery) mit den von Christopher Winter und von Andre Volkmann illustrierten, haushohen Folien ist das „Wandelhaus“ eine weitere von chezweitz konzipierte und 2010 realisierte Station.
Ein Haus, das anwesend und abwesend zugleich ist, ein Vexierbild, das beim vorbeifahren entsteht und verschwindet. Auf einem Abbruchgrundstück an einer zentralen Kreuzung entstand diese räumliche Bild aus farbigen Steelen, das sich nur im Blick des Autofahrers von einem undifferenzierten Farbcode zu einem Interieur – vielleicht des ehemals dort stehenden Hauses – zusammensetzt.
Die vielen Stationen der Drive Thru Gallery und andere Stadtumbauprojekte wurden dann 2010 in der Abschlussausstellung “Von innen nach außen” in den Räumen einer frischsanierten Kartonagefabrik präsentiert. chezweitz verfolgte die szenografische Idee, den Raum perspektivisch einerseits thematisch zu füllen, ihn aus einem anderen Blickwinkel aber zugleich auch ebenfalls durch das grafische Element des Striches als einen nichtbefüllten erfahrbar zu machen. Mit diesen Projekten, der Hybridwalls und dem Wandelhaus auf der Drive Thru Gallery, konnte chezweitz zeigen, dass szenografisch-urbanistische Interventionen eine eminente und befruchtende Wirkung innerhalb der klassischen Stadtentwicklung haben.