Winckelmann. Moderne Antike
Winckelmann. Moderne Antike
Johann Joachim Winckelmann (1717 – 1768) gilt als Begründer der modernen Archäologie und Kunstwissenschaft. Mit seiner Formel von der »edlen Einfalt und stillen Größe« antiker Kunst war er ein Wegbereiter der klassizistischen Ästhetik in Europa. Winckelmann, der einflussreiche Forscher, Schriftsteller und Kritiker hat unseren Blick auf die Antike wesentlich geprägt. Er war vieles: schwärmerischer Visionär, gelehrter Enthusiast und geistiger Abenteurer, der für seinen Lebenstraum alles auf eine Karte setzte. Nicht zuletzt sein gewaltsamer Tod, der auf Goethe und andere Zeitgenossen wie ein »Donnerschlag« wirkte, ließ ihn innerhalb weniger Jahre zu einer in ganz Europa verehrten Berühmtheit aufsteigen.
Winckelmann eine (temporäre) Wohnung in Weimar gestalten, das haben wir uns für diese Ausstellung vorgenommen. Klassisch ist sie auf ihre ganz eigene Weise geworden: subtile, leichte und zugleich ausdrucksstarke Szenografie in einer klaren Linie leitet die Besuchenden durch diesen ästhetisch-anthropologischen Kosmos Winckelmann. Dabei ist dem geschriebenen Wort, der Schrift als Medium von Winckelmann, besondere Aufmerksamkeit gewidmet worden: Die Exzellenz der Grafik (Paneele) und die Vermittlungsangebote mit projiziertem Text und fein gestalteten Folianten, die neben dem Apoll von Belvedere oder dem Torso platziert sind, versetzen den geneigten Besucher in die Lage, gleichzeitig sowohl dem Text Winckelmanns zu folgen als auch den beschriebenen Gegenstand zu betrachten. Ist die Szenografie im oberen Geschoss, dem Gegenstand des Klassischen gemäß, eher zurückhaltend, zeigt diese durch die unterschiedliche, farbige Raumgestaltung der einzelnen Kapitel im Erdgeschoss eine andere Narration. Die Szenografie akzentuiert die feinen kuratorischen Erzählstränge und arbeitet so die meist aufeinander aufbauenden Aspekte heraus, indem sie die intuitive Besucherführung durch die architektonischen Linien und Reihen betont. Hierbei wird in jedem Raum darauf geachtet, Proportion, Atmosphäre aber auch Farbigkeit des je umgebenden Raumes perfekt aufzunehmen. So wird dem Neuen Museum, das schon ursprünglich für eine Antikensammlung konzipiert war, insgesamt seine Luftigkeit und klassische Schönheit wiedergegeben. Dabei ist aber nicht immer die „edle Einfalt und die stille Größe“ allein für die Szenografie leitend. Immer wieder findet in wohlgesetzten Höhepunkten eine visuelle Dramatisierung statt: Die Kaskade aus dem berühmten Bild von Jakob Philipp Hackert „Villa Albani in Rom“ fokussiert den Blick der Besuchenden auf den Torso von Belvedere; weitere wohlkomponierte point de vues lassen von einem Raum zum anderen die unnachahmlichen Exponate entdecken. So wird die Szenografie zum Medium eines intuitiven Verstehens der klassischen Gedankenwelt Winckelmanns.
Zum Einsatz kam auch eine neue HardwareTechnik, der sogenannte „Space-Player“, der als Lampe in der Lage ist, ohne Schwarzraum animierte Karten und kleine Filme an die Ausstellungswand zu projizieren. Diese Technik kam immer dann zum Einsatz, wenn neueste Forschungsergebnisse in der Archäologie oder erweiterte geografische Zuordnungen dargestellt werden sollten.
chezweitz GmbH, Berlin Dr. Sonja Beeck und Detlef Weitz
mit Kira Soltani (Projektleitung), Sandra Weber (Projektleitung), Edgar Kandratian, Felix Till Schwan, Simon Junge, Stefan Hurtig, Theresa Peter
Prof. Dr. Elisabeth Décultot, Prof. Dr. Wolfgang Holler, Dr. Martin Dönike, Dr. Bettina Werche, Dr. Claudia Keller, Prof. Dr. Thorsten Valk, Denis Stante
Ellen Bierwisch, Dr. des. Maja Chotiwari, Heidi Knörich, Nicole Mende, Sabine Thierolf, Timmy Ukat
PPS. Imaging, Dresden
ADUNIC Deutschland GmbH, Berlin
Nico Lorenz, Uwe Seeber, Mike Tschirschnitz
EIDOTECH GmbH, Berlin
Linon Medien (Berlin), Ursula Vorwerk, Julia Klein
Hanna Neander