chezweitz museale und urbane Szenografie

Winckelmann. Moderne Antike

Winckelmann. Moderne Antike

Neues Museum Weimar
07.04. – 02.07.2017

Johann Joachim Winck­el­mann (1717 – 1768) gilt als Begrün­der der mod­er­nen Archäolo­gie und Kunst­wissenschaft. Mit sein­er Formel von der »edlen Ein­falt und stillen Größe« antik­er Kun­st war er ein Weg­bere­it­er der klas­sizis­tis­chen Ästhetik in Europa. Winck­el­mann, der ein­flussre­iche Forsch­er, Schrift­steller und Kri­tik­er hat unseren Blick auf die Antike wesentlich geprägt. Er war vieles: schwärmerisch­er Visionär, gelehrter Enthu­si­ast und geistiger Aben­teur­er, der für seinen Leben­straum alles auf eine Karte set­zte. Nicht zulet­zt sein gewalt­samer Tod, der auf Goethe und andere Zeitgenossen wie ein »Don­ner­schlag« wirk­te, ließ ihn inner­halb weniger Jahre zu ein­er in ganz Europa verehrten Berühmtheit aufsteigen.

Winck­el­mann eine (tem­poräre) Woh­nung in Weimar gestal­ten, das haben wir uns für diese Ausstel­lung vorgenom­men. Klas­sisch ist sie auf ihre ganz eigene Weise gewor­den: sub­tile, leichte und zugle­ich aus­drucksstarke Szenografie in ein­er klaren Lin­ie leit­et die Besuchen­den durch diesen ästhetisch-anthro­pol­o­gis­chen Kos­mos Winck­el­mann. Dabei ist dem geschriebe­nen Wort, der Schrift als Medi­um von Winck­el­mann, beson­dere Aufmerk­samkeit gewid­met wor­den: Die Exzel­lenz der Grafik (Paneele) und die Ver­mit­tlungsange­bote mit pro­jiziertem Text und fein gestal­teten Folianten, die neben dem Apoll von Belvedere oder dem Tor­so platziert sind, ver­set­zen den geneigten Besuch­er in die Lage, gle­ichzeit­ig sowohl dem Text Winck­el­manns zu fol­gen als auch den beschriebe­nen Gegen­stand zu betra­cht­en. Ist die Szenografie im oberen Geschoss, dem Gegen­stand des Klas­sis­chen gemäß, eher zurück­hal­tend, zeigt diese durch die unter­schiedliche, far­bige Raumgestal­tung der einzel­nen Kapi­tel im Erdgeschoss eine andere Nar­ra­tion. Die Szenografie akzen­tu­iert die feinen kura­torischen Erzählstränge und arbeit­et so die meist aufeinan­der auf­bauen­den Aspek­te her­aus, indem sie die intu­itive Besucher­führung durch die architek­tonis­chen Lin­ien und Rei­hen betont. Hier­bei wird in jedem Raum darauf geachtet, Pro­por­tion, Atmo­sphäre aber auch Far­bigkeit des je umgeben­den Raumes per­fekt aufzunehmen. So wird dem Neuen Muse­um, das schon ursprünglich für eine Antiken­samm­lung konzip­iert war, ins­ge­samt seine Luftigkeit und klas­sis­che Schön­heit wiedergegeben. Dabei ist aber nicht immer die edle Ein­falt und die stille Größe“ allein für die Szenografie lei­t­end. Immer wieder find­et in wohlge­set­zten Höhep­unk­ten eine visuelle Drama­tisierung statt: Die Kaskade aus dem berühmten Bild von Jakob Philipp Hack­ert Vil­la Albani in Rom“ fokussiert den Blick der Besuchen­den auf den Tor­so von Belvedere; weit­ere wohlkom­ponierte point de vues lassen von einem Raum zum anderen die unnachahm­lichen Exponate ent­deck­en. So wird die Szenografie zum Medi­um eines intu­itiv­en Ver­ste­hens der klas­sis­chen Gedanken­welt Winckelmanns.

Zum Ein­satz kam auch eine neue Hard­wareTech­nik, der soge­nan­nte Space-Play­er“, der als Lampe in der Lage ist, ohne Schwarzraum ani­mierte Karten und kleine Filme an die Ausstel­lungswand zu pro­jizieren. Diese Tech­nik kam immer dann zum Ein­satz, wenn neueste Forschungsergeb­nisse in der Archäolo­gie oder erweit­erte geografis­che Zuord­nun­gen dargestellt wer­den sollten.

Szenografie
chezweitz GmbH, Berlin Dr. Sonja Beeck und Detlef Weitz
mit Kira Soltani (Projektleitung), Sandra Weber (Projektleitung), Edgar Kandratian, Felix Till Schwan, Simon Junge, Stefan Hurtig, Theresa Peter
Kuratoren
Prof. Dr. Elisabeth Décultot, Prof. Dr. Wolfgang Holler, Dr. Martin Dönike, Dr. Bettina Werche, Dr. Claudia Keller, Prof. Dr. Thorsten Valk, Denis Stante
Organisation und Leihverkehr
Ellen Bierwisch, Dr. des. Maja Chotiwari, Heidi Knörich, Nicole Mende, Sabine Thierolf, Timmy Ukat
Produktion Ausstellungsgrafik
PPS. Imaging, Dresden
Ausstellungsbau
ADUNIC Deutschland GmbH, Berlin
Ausstellungsaufbau
Nico Lorenz, Uwe Seeber, Mike Tschirschnitz
Medientechnik
EIDOTECH GmbH, Berlin
Audioguide
Linon Medien (Berlin), Ursula Vorwerk, Julia Klein
Fotos
Hanna Neander