Zwischen Tod und Freiheit
Zwischen Tod und Freiheit – Eine HörInstallation
Eine Hör-Installation
Ein von einem silbernen Streif durchzogener Fichtenwald, als wären die Baumgruppen von Licht durchschnitten … zwischen den märkischen Fichten hört man verborgene Stimmen, die von Leid, Angst und Hoffnung erzählen.
Die Hör-Installation in der Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg versammelt an sechs verschiedenen Bodenstationen authentische Zeugnisse von Häftlingen des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Sie erzählen von den Tagen vor und während des Todesmarsches und der Befreiung im April/Mai 1945:
„Seit Tagen das dumpfe Gefühl: Was braut sich da zusammen? Abmarsch? Oder Liquidierung? Gas? Flammenwerfer? Granaten?“
Peter Heilbut, Häftling des Konzentrationslagers Sachsenhausen, am 20. April 1945.
Szenografische Umsetzung
Eine zunächst unmerkliche Veränderung durchzieht den kleinen Kiefernwald der Gedenkstätte, der mit einigen Gedenksteinen bestückt einen kontemplativen Raum vorbehalten ist. Ihm nur ganz behutsam ein Gedenken zur Seite zu stellen, das an Leid und Befreiung erinnert, die Stimmen der Befreiten zu Gehör bringen und der Hoffnung einen visuellen Ausdruck zu geben, ist Anlass und Ergebnis dieser räumlichen Minimalintervention.
Über zehn Bodenlautsprecher können die Besucher durch einen zurückhaltenden Wald der Stimmen gehen und erfahren aus Originalberichten der befreiten Häftlinge Eindrückliches über diese letzten Tage im KZ Oranienburg. Dünne Spiegelstreifen, die viele Stämme säumen, erzeugen in der Perspektive diese minimale Veränderung, die den Blick leicht zu einem surrealen macht, und inmitten einer naturnahen Situation eine neue, historisch-semantische Szenerie evoziert.
Historischer Hintergrund
Im April 1945 war die deutsche Niederlage längst besiegelt, die Befreiung vom Nationalsozialismus stand unmittelbar bevor. Vor diesem Hintergrund begann die SS damit, das Konzentrationslager Sachsenhausen aufzulösen. In der Nacht zum 21. April wurden mehr als 33 000 Häftlinge, unter ihnen Frauen und Kinder, in Richtung Nordwesten getrieben. Die meisten mussten ohne Trinkwasser und Nahrung auskommen– bei täglichen Fußmärschen von bis zu 40 km Länge. Zum großen Teil durch Hunger und Krankheiten geschwächt, starben unterwegs Hunderte von ihnen oder wurden von SS-Wachmännern ermordet.
Je nachdem, wo die Häftlingsgruppen sich Anfang Mai 1945 befanden, wurden sie von sowjetischen oder von amerikanischen Soldaten befreit. Für die meisten Überlebenden endete der Todesmarsch im Raum Parchim – Ludwigslust – Schwerin zwischen dem 3. und 6. Mai 1945. Die in Sachsenhausen zurück gebliebenen Häftlinge, etwa 3000 Menschen, waren bereits am 22. April 1945 von sowjetischen und polnischen Soldaten befreit worden.