documenta.
documenta. Politik und Kunst
Wie wurde im Kalten Krieg mit Kunst Politik gemacht? Diese und viele weitere Fragen stellt die Wechselausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin und widmet sich ab dem 16. Juni der politischen, kulturgeschichtlichen und gesellschaftlichen Dimension der documenta von 1955 bis 1997. Das Kurator*innen-Team Julia Voss, Lars Bang Larsen, Alexia Pooth, Dorothee Wierling sowie Dorlis Blume als Leitung hat eindrücklich die Rolle der documenta in der politischen Selbstdarstellung der jungen BRD aufgearbeitet und dabei einen Fokus auf die Verknüpfungen zur NS-Zeit und auf das besondere Verhältnis zur DDR gelegt.
Das Büro chezweitz hat für diese spannenden Themen eine Szenografie entworfen, die das Lebendige, Aufregende, aber auch den informellen Charakter der documenta nach Berlin bringt. Kunst — Archiv — Forschung sind die Topoi, die eine heterogene Exponat-Landschaft sinnhaft gliedern und ihre Inhalte den Besucher*innen anschaulich öffnen.
Auf zwei Stockwerken zeigt sich eine Ausstellung, in der man in der Kunst flanieren, aber auch einen tiefen Blick hinter die Kulissen wagen kann. Dabei werden die Besucher*innen von einer komplexen, rhythmischen Archivstruktur geführt, die inspiriert ist von der leichten Präsentationsform der ersten documenta. Sie bietet die Möglichkeit zur Multiperspektive und zur Tiefenbohrung und wird Schlüssel zum Verständnis der ausgewählten Kunstwerke sowie des politischen Charakters der documenta.
Die Kunstwerke werden als künstlerische Arbeiten (Artefakte) und gleichzeitig als historische Dokumente (Quellen) für die spezifische politische Aussage gezeigt. Auf Grund dieser wichtigen Doppelfunktion sind sie auf singuläre Wandscheiben platziert. Sie können so als Kunstwerke wirken, treten dennoch in einen Dialog zur Archivebene und rahmen die Archivalien mit ihren zahlreichen Dokumenten, Filmen, Plakaten und Oral-History-Interviews. Zum Zeitpunkt der Ausstellung nicht verfügbare Bildwerke werden in raumgreifenden Reprografien historischer Aufnahmen inszeniert – sie reproduzieren die documenta als Situation und nicht nur das Exponat als Replik.
Es war eine wichtige Aufgabe der Szenografie, die visuell erlebbaren Aussagen deutlich zu platzieren und inhaltliche Verknüpfungen zwischen den Archivstrukturen und den bedeutenden Bildwerken und Skulpturen herauszuarbeiten. Durch Wegeführungen und Blickachsen entstehen direkte Zusammenhänge zwischen den Exponaten.
Konstituierend für die gesamte Szenografie ist die Synthese der räumlichen Struktur und der komplexen Ausstellungsgrafik. Sie ist in konsequenter Systematik (Raster) aufgebaut – abgeleitet von den historischen Ausstellungsplakaten – und kann somit die unterschiedlichen Ebenen integrieren: Archiv, Kinderspur, Inklusionselemente u.a.
chezweitz GmbH, museale und urbane Szenografie, Berlin
Dr. Sonja Beeck, Detlef Weitz,
Hans Hagemeister, Ines Linder, Elias Eichhorn
chezweitz GmbH, Johannes Bögle, Lisa Pflästerer, Anja Rausch, Carlotta Markötter, Danielle Gringmuth
Prof. Dr. Raphael Gross
Ulrike Kretzschmar
Dorlis Blume
Lars Bang Larsen, Julia Voss, Dorothee Wierling
Alexia Pooth
Juschka Marie von Rüden
Mirko Kubein
Eidotech GmbH, Berlin
Digidax, Potsdam
Nicholas Kaloplastos (Leitung DHM) mit Jens Albert, Stefan Thimm und Team
Abrell & van den Berg – Ausstellungsservice GbR, Berlin
Brigitte Vogel-Janotta (Leitung), Sebastian Herbst
Gregor Baron