chezweitz museale und urbane Szenografie

Juden 45|90 –
Von da und dort

Juden 45|90 –
Von da und dort

Überlebende aus Osteuropa

Jüdisches Museum München
30.11.2011 – 17.06.2012

Dieser erste Teil ein­er zweit­eili­gen Ausstel­lungs­folge war die bish­er umfan­gre­ich­ste Ausstel­lung zum All­t­agsleben, zur Geschichte und Kul­tur der jüdis­chen Dis­placed Per­sons nach dem Zweit­en Weltkrieg in München. Sie legte das Augen­merk beson­ders auf deren indi­vidu­elle Lebenswel­ten und fokussierte die weni­gen übrigge­bliebe­nen Dinge. 

Die Szenografie reflek­tierte zudem die imma­nente und langsame Verän­derung der Migranten, indem sie bei­de Ausstel­lun­gen aus densel­ben Mate­ri­alien baute, diese aber zeit­be­zo­gen vari­ierte. Dadurch wur­den die bei­den Wege von osteu­ropäis­chen Juden nach München, nach 1945 und nach 1990, plas­tisch erfahrbar: Zum einen der Weg der Über­leben­den kurz nach dem Zweit­en Weltkrieg und zum anderen der der rus­sis­chsprachi­gen Juden nach dem Fall des Eis­er­nen Vorhangs: Durch­wan­dernde und Ein­wan­dernde. 
Zwei Ausstel­lun­gen, ein Stadtkör­p­er in Verän­derung, baulich und in der Wahrnehmung. 
Denn: Ein Migra­tionsprozess ändert nicht nur die Ank­om­menden, son­dern immer auch den erre­icht­en Ort, langsam und unwesentlich, aber nicht unmerk­lich. Die Szenografie reflek­tiert diese imma­nente und langsame Verän­derung, indem sie bei­de Ausstel­lun­gen aus dem­sel­ben Mate­r­i­al, densel­ben Kör­pern baut und diese vari­iert. Sie über­denkt, analysiert und fragt: Was sind die Par­al­le­len, was sind Unter­schiede und wie insze­niert man sie en gros (Raum) und wie gestal­tet man sie en detail (Exponatschild)? Wie ändert sich etwas durch räum­liche Ver­schiebun­gen? Welche Medi­en kann man wie ver­wen­den? So entste­hen sechs szenografis­che Vergleichsaspekte: 

Häuser 
Das Haus ist eine unbe­hauste Haus­rei­hung, die dekon­stru­ierte Phan­tasie eines Habi­tats in Quer­schnit­ten, eine Andeu­tung. Die Reduk­tion lenkt den Blick auch auf den Zwis­chen­raum und ermöglicht das Zeigen der Dinge ohne Innen­raum. Die stille Rei­hung und die Form der Sil­hou­ette sind wiederum die Adap­tion des Dis­placed Per­son Camps Föhren­wald (19451957). 

Weg
Der Weg als Zwangsweg in Form eines Labyrinths, hin­ter jed­er Ecke ein neuer, unbekan­nter Abschnitt. Das rohe, graue MDF macht die Kargheit während dieser Zeit spür­bar, die bedrän­gende Form der sich ver­jün­gen­den Raum­ab­schnitte lässt den Betra­chter den Aspekt der Unfrei­willigkeit des Aufen­thaltes in München vergegenwärtigen.

Objek­te 
Die Dinge wer­den behut­sam in Archiv­taschen gesichert. Gezeigt wer­den nicht allein Objek­te, son­dern Geschichte(n) der Überlebenden.

Zeit
Stan­dauf­nahme ein­er Straße in Wal­dram. Davor Sil­hou­et­ten und Häuser­quer­schnitte der dama­li­gen Sied­lung Föhren­wald. Der Film baut eine Brücke in unsere Zeit. Als räum­liche Öff­nung verbindet der Video­screen den heuti­gen Ort mit der im Münch­n­er Bewusst­sein ver­loren gegan­genen Sied­lung Föhren­wald. Er hält sicht­bare Verbindung zum Zwis­chenort jüdis­ch­er Migra­tion nach 1945

Text
Schmale Exponatschilder aus hell­grauem Papi­er, schwarz bedruckt und sorgfältig in Archiv­taschen gesteckt, nehmen die unter­schiedlichen Erläuterungsebe­nen zu den aus­gestell­ten Objek­ten auf. Die Bedeu­tung für den Besitzer“ ist eine zusät­zliche – aber selb­stver­ständliche – Kat­e­gorie des Archivschildes, neben den klas­sisch muse­alen wie Mate­r­i­al, Größe, Herkun­ft, Titel. 

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Kat­a­log
Der Ausstel­lungsti­tel ist als Label dem Cov­er hinzuge­fügt, auf die Cyanografie eines Gür­tels aufgek­lebt. Diese tech­nisch schwierige Zeu­gen­schaft, dieser fotografis­che Blau­druck zeigt wie aus weit­er Ferne, mit verblassender Erin­nerung, aus Tages­licht wieder ans Tages­licht her­vorge­holt – es zeigt das Zurück­holen der weni­gen Dinge in die sicht­bare Erin­nerung; deshalb, das gela­belte Schlüs­selob­jekt: Der Gürtel.

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Szenografie
chezweitz & roseapple,
Detlef Weitz und Rose Epple mit
Britta Finaske, Hans Hagemeister, Olivier Kowald, Toto Winarni
Kuratorinnen
Jutta Fleckenstein
Tamar Lewinsky
Projektmanagement
Luisa Krüger
Fotos
Franz Kimmel