p0es1s – Digitale Poesie
p0es1s – Digitale Poesie
Digitale Poesie fungiert als Überbegriff für einen Grenzbereich zwischen Literatur und bildender Kunst, in dem die künstlerischen Arbeiten auf der Verwendung von binären Codes basieren. Für die Ausstellung war eine hierfür charakteristische Präsentationsform zu entwerfen, die großräumige Videoinstallationen ebenso ermöglicht wie das interaktive Spiel am Computerbildschirm.
Die Szenographie greift den Dialog zwischen Architektur, Graphik und Kuratorium auf und übernimmt den binären Code als bestimmendes Element für die Raumprogrammatik. Das digitale Prinzip — die simple Unterscheidung zwischen 0 und 1 (oder Ja und Nein) auf der die technisch teils hochkomplizierten Arbeiten beruhen, wird als graphisch-räumliche Struktur im Wechsel von Schwarz und Weiß, Dunkel und Hell erfahrbar. Bereits im Foyer passiert der Besucher auf seinem Weg in die Ausstellungsräume eine „digitale Schleuse“ aus schwarzweißen Streifen. Das Fake einer Barockarchitektur, das aus einer vorausgehenden Ausstellungsgestaltung vor Ort übernommen wird, stellt zusammen mit der historisierenden Möblierung einen produktiv verfremdenden Kontrast zum deplaziert wirkenden High-Tech-Design von Rechnern und Screens dar. Durch die Konfrontation der (pseudo-)historischen Szenerie mit der binären Struktur und den medialen Präsentationsformen werden Virtualität und Realität des Raumes reflektiert, in dem digitale Poesie und Kunst sich ereignen. So stehen Kunst und Kontext in keinem einfachen Entsprechungsverhältnis sondern kommentieren sich gegenseitig. An Stelle der Ästhetik von White Cube und Black Box, in der Medienkunstausstellungen gewöhnlich präsentiert werden, entwickelt sich hier eine vielschichtige räumliche Inszenierung. Codiert werden in der Szenographie der Ausstellung Informationen, die der Orientierung des Besuchers dienen. Im Begleitbuch und auf den digitalen Membranen wird der Besucher durch dieselbe Kodierung geleitet. www.p0es1s.net schreibt sie in dem der Ausstellung verwandten Medium fort. Außerhalb der Ausstellung wird der szenographische Code in verschiedenen Formaten der Stadt eingeschrieben — auf Medienleinwänden, Plakaten, Aufklebern, Einladungen.